Unsere Ortsmitte steht vor großen Veränderungen. Eines ist dabei klar: Wir müssen ohnehin investieren. Die Fahrbahn in der Ortsmitte ist abgängig und weist erhebliche Schäden auf. Auch der darunterliegende Kanal muss erneuert werden. Gleichzeitig haben die vergangenen Jahre gezeigt, dass die bestehende Situation bei Starkregen zu Problemen führen kann. Zuletzt wurde dies im Mai 2026 deutlich, als es erneut zu Hochwasserproblemen in der Ortsmitte kam. Die notwendigen Reparaturen und Erneuerungen werden deshalb definitiv auf die Gemeinde zukommen. Die Frage ist nicht, ob wir investieren müssen, sondern wie wir diese notwendige Investition stemmen können. Eine Förderung im Rahmen des ISEK kann hierzu einen erheblichen Beitrag leisten.
Ohne eine entsprechende Förderung würden sich die Maßnahmen im Wesentlichen auf die notwendige Erneuerung der Ortsmitte beschränken und müssten vollständig aus kommunalen Mitteln finanziert werden. Wir würden also erhebliche finanzielle Mittel einsetzen, um Fahrbahn und Kanal zu erneuern, ohne gleichzeitig die Möglichkeit zu nutzen, die Ortsmitte grundlegend weiterzuentwickeln. Genau hier sehen wir die große Chance des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes, kurz ISEK. Statt lediglich das Notwendige zu reparieren, können wir die ohnehin erforderlichen Investitionen nutzen, um unsere Ortsmitte gleichzeitig moderner, klimafreundlicher, barriereärmer und attraktiver zu gestalten. Für die CDU Schlangen ist deshalb klar: Wenn wir ohnehin investieren müssen, sollten wir diese Chance nutzen und unsere Gemeinde zukunftsfähig weiterentwickeln.
Das ISEK geht dabei weit über die reine Erneuerung der Fahrbahn hinaus. Es betrachtet die Ortsmitte ganzheitlich und eröffnet die Möglichkeit, verschiedene zentrale Bereiche unserer Gemeinde miteinander zu entwickeln. Vorgesehen sind unter anderem eine moderne Gestaltung der Ortsmitte, die Aufwertung der Rosenstraße und der Parkstraße, die Entwicklung der Pastorenwiese zu einem Generationenpark sowie eine neue Gestaltung des Rathausplatzes, die zum Verweilen und zur Begegnung einlädt. Hinzu kommt die geplante Entwicklung eines „Dritten Ortes“ im Gemeindehaus der evangelischen Kirche. Damit geht es nicht einfach nur um neue Straßen, Plätze oder Grünflächen. Es geht um Orte, an denen Menschen gerne unterwegs sind, sich begegnen, verweilen und miteinander ins Gespräch kommen.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil der geplanten Entwicklung ist das Parkraumkonzept für die Ortsmitte. Aktuell stehen dort rund 82 Parkplätze zur Verfügung. Die Untersuchungen haben jedoch einen tatsächlichen Bedarf von etwa 40 Stellplätzen ermittelt. Gleichzeitig entsprechen die vorhandenen Stellplätze teilweise nicht mehr den heutigen Regelwerken hinsichtlich ihrer erforderlichen Breite und Länge. Hinzu kommt, dass durch parkende Fahrzeuge teilweise nur sehr schmale Restgehwegbreiten zwischen den abgestellten Fahrzeugen und den angrenzenden Hauswänden verbleiben. Dies beeinträchtigt die Bedingungen für den Fußverkehr und kann insbesondere für Menschen mit Kinderwagen, Rollatoren oder Mobilitätseinschränkungen problematisch sein.
Gleichzeitig besteht heute das Problem, dass ein Teil der vorhandenen Parkplätze durch Dauerparker über längere Zeit blockiert wird und damit gerade den Kunden des örtlichen Einzelhandels nicht zur Verfügung steht. Ziel der geplanten Neuordnung ist deshalb nicht, möglichst viele Fahrzeuge unmittelbar in der Ortsmitte unterzubringen, sondern die vorhandenen Stellplätze effizienter und bedarfsgerechter zu nutzen. Durch eine Parkscheibenregelung in der Ortsmitte und entlang der Detmolder Straße soll der Parkplatzumschlag erhöht und damit die Verfügbarkeit für Kunden verbessert werden. Pendlerverkehre sollen stärker auf umliegende Parkmöglichkeiten verlagert werden.
Gleichzeitig eröffnet die Neuordnung die Möglichkeit, ausreichend breite und sichere Flächen für den Fußverkehr zu schaffen. Die Ortsmitte soll damit für alle Verkehrsteilnehmer besser nutzbar werden. Es geht nicht um ein grundsätzliches Gegeneinander von Auto, Fahrrad und Fußverkehr, sondern um eine sinnvolle Aufteilung des vorhandenen öffentlichen Raumes. Eine lebendige Ortsmitte braucht schließlich nicht möglichst viele dauerhaft parkende Autos, sondern gute Bedingungen für Menschen, Kunden und Besucher.
Auch die aktuelle Verkehrssituation zeigt, dass eine Neugestaltung sinnvoll ist. Entlang der Ortsmitte wurden Verkehrsmengen von rund 2.000 Kraftfahrzeugen pro Tag ermittelt. Gleichzeitig hat eine Befragung gezeigt, dass insbesondere dort Probleme und Unsicherheiten wahrgenommen werden, wo Fußverkehr, Radverkehr und Kraftfahrzeuge aufeinandertreffen. Genau diese Situation findet sich heute in Teilen der Schlänger Ortsmitte. Das ISEK bietet die Möglichkeit, diese unterschiedlichen Nutzungsansprüche künftig besser miteinander zu verbinden. Mehr Fläche für den Fußverkehr, eine übersichtlichere Verkehrsführung, eine Neuordnung des ruhenden Verkehrs und eine höhere Aufenthaltsqualität können dazu beitragen, bestehende Konflikte zu entschärfen. Auch die Überlegung, einzelne Bereiche verkehrsberuhigt zu gestalten, kann dabei eine Rolle spielen, sofern die entsprechenden verkehrlichen und rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind.
Eine moderne Ortsmitte muss heute zudem mehr leisten als früher. Sie muss attraktiv sein und gleichzeitig den Herausforderungen des Klimawandels Rechnung tragen. Gerade die wiederkehrenden Probleme durch Starkregen und Hochwasser zeigen, dass Klimaanpassung bei der zukünftigen Gestaltung unserer Ortsmitte mitgedacht werden muss. Das ISEK bietet die Möglichkeit, notwendige Sanierungen mit einer zukunftsorientierten Gestaltung zu verbinden. Wir wollen nicht nur bestehende Schäden beseitigen, sondern die Ortsmitte so entwickeln, dass sie den Anforderungen der kommenden Jahrzehnte gerecht wird.
Das Gesamtvolumen der vorgesehenen Maßnahmen liegt nach den derzeitigen Planungen bei rund 8,5 Millionen Euro. Nach der derzeit zugrunde gelegten Finanzierung würde der kommunale Eigenanteil bei rund 30 Prozent liegen, also bei etwa 2,5 Millionen Euro über die gesamte Förderperiode. Bei einer angenommenen Förderdauer von zehn Jahren entspricht dies durchschnittlich rund 250.000 Euro pro Jahr. Auch wenn dies eine erhebliche Summe für die Gemeinde darstellt, muss gleichzeitig die Alternative betrachtet werden: Die ohnehin notwendige Erneuerung der Ortsmitte müsste ohne eine entsprechende Förderung vollständig aus kommunalen Mitteln finanziert werden. Dabei würden jedoch die zusätzlichen Entwicklungsmöglichkeiten, die das ISEK eröffnet, nicht in gleicher Weise zur Verfügung stehen. Ob die Gemeinde für die reine Reparatur der Fahrbahn und die Sanierung des Kanals am Ende ebenfalls rund 2,5 Millionen Euro oder möglicherweise sogar mehr aus eigener Kraft aufbringen müsste, bleibt dabei eine berechtigte rhetorische Frage.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage möglicher Baukostensteigerungen. Nach den vorliegenden Planungen wird die Förderung bei Veränderungen der Baukosten entsprechend angepasst. Die Fördersumme soll dabei anhand der Entwicklung des Baukostenindexes fortgeschrieben werden. Dadurch soll verhindert werden, dass die Gemeinde bei allgemeinen Baukostensteigerungen automatisch auf einem unveränderten Förderbetrag sitzen bleibt. Gleichzeitig bleibt ein Projekt dieser Größenordnung natürlich mit finanziellen und planerischen Herausforderungen verbunden. Umso wichtiger sind eine sorgfältige Vorbereitung, eine realistische Priorisierung der einzelnen Maßnahmen und eine kontinuierliche Kontrolle der Kosten.
Eine attraktive Ortsmitte ist mehr als ein schönes Ortsbild. Sie schafft Aufenthaltsqualität für die Menschen, die in Schlangen leben, kann den örtlichen Einzelhandel und die Gastronomie stärken und gleichzeitig dazu beitragen, dass sich Besucherinnen und Besucher in unserer Gemeinde wohlfühlen. Gerade die Verbindung aus attraktiver Gestaltung, besserer Fußwegeführung, einer sinnvollen Parkraumbewirtschaftung und einer höheren Aufenthaltsqualität kann dabei einen wichtigen Beitrag leisten. Die geplante Neuordnung des Parkraums soll deshalb ausdrücklich nicht gegen den Einzelhandel gerichtet sein – im Gegenteil. Wenn Parkplätze nicht mehr über Stunden durch Dauerparker blockiert werden, sondern durch eine angemessene Parkscheibenregelung häufiger wechseln, können mehr Kunden die vorhandenen Stellplätze nutzen.
Die notwendigen Investitionen kommen ohnehin auf unsere Gemeinde zu. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, ob wir unsere Ortsmitte weiterentwickeln müssen, sondern wie wir diese notwendige Aufgabe nutzen. Das ISEK bietet die Möglichkeit, aus einer notwendigen Sanierung eine langfristige Entwicklungsperspektive für Schlangen zu machen. Dabei geht es um weit mehr als neue Fahrbahnen und Plätze. Es geht um Verkehr, Klimaanpassung, Aufenthaltsqualität, Einzelhandel, Tourismus, Begegnung und ein lebendiges Miteinander.
Die CDU Schlangen steht dafür, notwendige Investitionen mit Augenmaß, Verantwortung und einer klaren Perspektive für die Zukunft unserer Gemeinde anzugehen. Wir wollen die Chance nutzen, Schlangen moderner, klimafreundlicher, lebenswerter und attraktiver zu gestalten. Denn wenn wir unsere Ortsmitte ohnehin erneuern müssen, sollten wir die Gelegenheit nutzen, sie nicht nur instand zu setzen, sondern fit für die nächsten Jahrzehnte zu machen.
Weitere Informationen sowie Planungsunterlagen findet Ihr auf der Homepage der Gemeinde Schlangen (https://www.gemeinde-schlangen.de/gemeinde/aktuelles/meldungen/isekupdate1.php).